Energiewende im Fokus: Christoph Zeis vom EDG im Interview

16. April 2026

Zum Einstieg: Können Sie sich und Ihre Tätigkeitsfelder kurz vorstellen?

Seit Gründung unseres kommunalen Unternehmens EDG (EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH) im Jahre 1998, also seit nunmehr 28 Jahren, habe ich, Christoph Zeis, die Geschäftsführung inne und das Unternehmen von Beginn an, zunächst alleine, aufgebaut. Auch das Geschäftsmodell, mittels Contracting vorrangig die Wärme- und Stromversorgung der öffentlichen Gebäude unserer Gesellschafter auf effiziente und erneuerbare Energien umzustellen, stammt aus meiner Feder. Die EDG ist schnell gewachsen und beschäftigt heute 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb ihrer Anlagen. Im Contracting-Bereich haben wir aktuell 340 Liegenschaften unter Vertrag, betreiben mehr als 50 Nahwärmenetze und erbringen hier und da auch Ingenieurdienstleistungen für externe Kunden.

Schwerpunkt war und ist die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die wir heute mit 140 Blockheizkraftwerken in Objekten und Quartieren bis hin zu ganzen Wohngebieten einsetzen. Hier beliefern wir unsere Kunden sehr klimafreundlich und wirtschaftlich mit Wärme und Strom. Seit Jahren ergänzen wir die Stromversorgung durch PV-Anlagen mit Batteriespeichern und kombinieren die Wärmeerzeugung der KWK mit Biomasse und Wärmepumpen der unterschiedlichsten Wärmequellen. Auch Kalte Nahwärmenetze auf Basis oberflächennaher Geothermie gehören inzwischen zum nachgefragten Portfolio.

Die EDG hat sich in unserer Region Rheinhessen-Nahe und darüber hinaus einen anerkannt hohen Ruf erarbeitet, der auf hohem Know-How, Seriosität, Zuverlässigkeit und Transparenz beruht. Ich selbst als Geschäftsführer habe eine ganze Reihe ehrenamtlicher Funktionen inne, bin Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energie Rheinland-Pfalz/Saarland e.V. und Mitglied im Vorstand des B.KWK sowie im VkU Rheinland-Pfalz, in dem ich auch Sprecher des Arbeitskreises Wärme bin. Es wird mir also nicht langweilig.

Sie gelten als einer der Energiewendepioniere in Rheinland-Pfalz. Was hat Sie ursprünglich angetrieben, diesen Weg so konsequent zu gehen?

Ich komme ursprünglich aus einer Handwerkerfamilie und hatte hier auch eine Ausbildung mit dem Ziel, den Meistertitel zu erwerben, absolviert. Der Zivildienst kam dazwischen mit viel Zeit beim Roten Kreuz, so dass ich mich sehr intensiv mit Umweltfragen beschäftigt habe. Damals waren „Waldsterben“ und das „Ozonloch“ die prägenden Themen. Ich wollte hier unbedingt einen Beitrag zum Umweltschutz und zum Erhalt unseres Planeten Erde für uns selbst und für nachfolgende Generationen leisten. So entschied ich, sehr zum Missfallen meiner Eltern, die Meisterschule abzusagen und stattdessen über den zweiten Bildungsweg Abitur nachzuholen und anschließend Umweltschutz an der Hochschule in Bingen zu studieren. In diesem Studium habe ich mich dann recht schnell auf Energietechnik und Energiewirtschaft spezialisiert. Meine Diplomarbeit beschäftigte sich übrigens schon mit der dezentralen KWK am Beispiel der Stadt Rottweil in Baden-Württemberg. Nach Abschluss des Studiums und fünf Jahren Arbeit in einem EVU konnte ich dann 1998 die Chance nutzen, mit einem sehr vorausschauenden Landrat die EDG zu gründen, um mit deren Unternehmensphilosophie eine umweltfreundliche und klimaschonende Energieversorgung aufzubauen.

Können Sie erläutern, wie Ihre Projekte in der Objekt- und Nahwärmeversorgung die Energiewende in Rheinhessen-Nahe voranbringen?

Wir setzen konsequent auf die hocheffiziente KWK, betreiben diese wenn möglich mit grünen Gasen (Biomethan) und kombinieren unsere BHKW mit erneuerbaren Energien im Sinne des iKWK-Prinzips Wir sind dabei von der Überzeugung getragen, dass wir die Energieversorgung Deutschlands nicht „All-Electric“ hinbekommen, sondern auch Moleküle bauchen. Was gibt es Sinnvolleres, als ein BHKW im Keller zu betreiben und dies elektrisch durch eine PV-Anlage auf dem Dach zu ergänzen, um in Verbindung mit einem Batteriespeicher über die Jahreszeiten hinweg die Stromversorgung dezentral zu organisieren.

Auf der Wärmeseite, gerade in der Heizperiode, wenn naturgemäß PV nur begrenzt zur Verfügung steht, stellt das BHKW sehr effizient die Heizleistung zur Verfügung, wenn Luft-Wasser-Wärmepumpen sowohl quell- als auch senkenseitig ihre schlechtesten COP verzeichnen. Hinzu tritt die Systemdienlichkeit, denn unsere KWK-Anlagen entlasten das Stromnetz auf der Verteilnetzebene, an die in zunehmendem Maße Wärmepumpen und Ladepunkte für die E-Mobilität angeschlossen werden müssen, insbesondere in Zeiten der Residuallast.

Wie überzeugen Sie Investoren oder kommunale Entscheider von langfristigen Infrastrukturprojekten?

Unsere Projektentwicklungen sind jeweils mit Machbarkeitsstudien transparent nachvollziehbar für die kommunalpolitischen und privaten Entscheidungsträger hinterlegt. Regelmäßig erarbeiten wir hier mehrere Varianten in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht und legen diese den Gemeinderäten, Kreistagsmitgliedern oder sonstigen Gremien mit persönlichem Vortrag vor. Diese rigorose Transparenz in der Akquisitionsphase hat in der Vergangenheit zur Auftragsquoten von größer 50 % für uns geführt.

Welche Rolle spielt Flexibilisierung – gerade im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien?

Flexibilisierung ist sehr wichtig für uns bei unseren Projekten. Deshalb legen wir generell großen Wert auf Speicherkapazitäten insbesondere auch im Wärmebereich. Mit unseren Wärmespeichern entkoppeln wir Wärmeerzeugung und -verbrauch, um unsere KWK-Anlagen dann zu betreiben, wenn wir unsere Versorgungsobjekte viel Strom benötigen. Bei Biomasseanlagen ist das ähnlich, nur hier mit der Triebfeder, dass diese durch die Speicher deutlich effizienter betrieben werden können. Ich mache immer gerne den Vergleich mit dem Autoverkehr. Im Stadtverkehr braucht das Auto deutlich mehr Sprit als auf der Autobahn. Mit groß dimensionierten Speichern befinden sich unsere Biomasseanlagen betrieblich auf der „Autobahn“.

Weiter ist Flexibilisierung bei unseren großen KWK-Anlagen, die sich im Ausschreibungssegment des KWKG befinden, an der Tagesordnung. Wir betreiben diese streng nach der Residuallast, wenn zu wenig Sonne und Wind im Stromnetz ist und mithin hohe Börsenstrompreise resultieren und steuern die 3.500 Vbh-Förderstunden aus.

Welche Rolle spielen Förderprogramme?

Eine Wesentliche: Dem Grunde nach sind alle unsere Projektentwicklungen mit Förderprogrammen hinterlegt, wo immer diese möglich und aktivierbar sind. In der Objekt- und Nahwärmeversorgung sind dies auf Bundesebene das BEG und auf Landesebene in Rheinland-Pfalz das Programm „ZEIS“. Das hat nichts mit meinem Namen zu tun und steht für „Zukunftsfähige Energie-Infrastruktur“. Bei Wärmenetzen größer 16 Gebäude, übrigens eine unsinnige und im Neubaubereich diskriminierende Festlegung, kommt natürlich die BEW ins Spiel. Und grundsätzlich durchforsten wir zur Finanzierung alle Möglichkeiten von Förderdarlehen bei der KfW.

Wie reagieren Kommunen und Bürger auf Ihre Projekte?

Seit 28 Jahren des Bestehens der EDG haben wir uns eine hohe Reputation erarbeitet, die auf Transparenz und Zuverlässigkeit in der Betriebsführung unserer Anlagen beruht. Die Preisbildung ist immer projektbezogen und aus der Sicht unserer Kunden kommuniziert worden, so dass wir marktgerechte Wärme- und Strompreise bilden konnten. Dies gilt sowohl für unser Kerngeschäft „Contracting“ als auch für unsere Nahwärmenetze unabhängig von der eingesetzten Technik. Wenn sich hier unwirtschaftliche Wärmepreise in der Projektentwicklung ergeben haben, konnten wir das entweder durch Förderungen kompensieren oder haben Abstand von dem Projekt genommen. Durch diese Philosophie haben wir eine hohe Akzeptanz bei unseren Kunden und keinen Stress mit Blick auf unsere Preise. Einer unserer kommunalen Gesellschafter hat einmal öffentlich gesagt: „Die Beteiligung an der EDG war für uns wie ein Sechser im Lotto.“ Welch höheres Lob darf man schon erwarten?                


In Ihren Projekten setzen Sie insgesamt rund 50 g-boxen von 2G Energy ein. Was hat Sie dazu bewogen sich ausgerechnet für 2G Energy zu entscheiden?

Wir haben schon sehr früh seit dem Jahr 2009, zum 01.01.2009 ist damals das neue KWKG in Kraft getreten, damit begonnen, unsere kleinen KWK-Anlagen zu überbauen, um eine höhere Stromausbeute bei reduzierten Volllaststunden zu erreichen. Wir haben ja das Ziel, eine möglichst hohe Eigenversorgungsquote in unseren Objekten und Quartieren zu erreichen. Deshalb hatten wir uns länger in der 20 kW-Klasse mit dem Herstellermarkt beschäftigt und uns nach einer Reihe von Messebesuchen für die g-box20 entschieden. Ich erinnere mich, wie wir auf der E-World in Essen mit Christian Grotholt ins Gespräch kamen und uns die g-box20 sehr genau inspiziert und uns haben erklären lassen. Die positive Entscheidung für 2G ergab sich dann aus dem Gesamtkonzept aus Technik, Wartungsfreundlichkeit und dem Servicevertrag für die BHKW im Sinne eines „Rund-um-Sorglos-Paketes“.

In welchen konkreten Projekten hat sich die Leistungsfähigkeit der 2G g-box besonders deutlich gezeigt?

Wir setzen die g-box20 gerne in der Objektversorgung sowohl im kommunalen Bereich als auch im Wohnungssektor ein. Das sind regelmäßig Schulen oder Verwaltungsgebäude sowie Mehrfamilienhäuser und Wohnquartiere. Entscheidend ist jeweils die Direktvermarktung des Stroms in den Gebäuden. Hierdurch können wir parallel zur Wärmeversorgung insgesamt sehr wirtschaftliche Strompreise zum Teil deutlich unterhalb des Marktniveaus erzielen und anbieten, gleichsam einer erfolgreichen Teilhabe unserer Kunden und Bürgerinnen an der Energiewende. In Verbindung mit unserem sehr leistungsfähigen Energiemanagementsystem ist die Leistungsfähigkeit der g-box20 generell sehr hoch, auch weil Störungen seitens des 2G-Services sehr schnell behoben werden.

Sehen Sie die 2G g-box eher als Rückgrat der Wärmeversorgung oder als strategischen Flexibilitätsbaustein?

Beides, weil es eine höhere Energieeffizienz als bei dezentraler KWK nicht gibt, übrigens auch gegenüber Wärmepumpen nicht, wenn man sich die Gesamtenergiekette anschaut. Insbesondere in der Heizperiode von Oktober bis März, wenn naturgemäß Photovoltaik nur sehr begrenzt zur Verfügung steht, gleichzeitig aber die höchsten Heizlasten zu erbringen sind, zeigt sich der hohe Vorteil unserer BHKW, die dann hocheffizient Wärme und Strom erzeugen und bereitstellen. Damit stellen wir nicht nur Versorgungssicherheit bereit, sondern entlasten auch die Verteilnetzebene des Stromnetzes, wie oben schon dargelegt.

Eine aktuelle Untersuchung des B.KWK, in dem die EDG ja Mitglied und meine Person im Vorstand ist, hat gezeigt, dass mit noch so viel Zubau an PV- und Windleistung rund 2.000 Stunden Residuallast übrigbleiben. Dies sollte doch weitgehend und wo immer möglich mittels dezentraler, hocheffizienter KWK bereitgestellt werden, statt Gaskraftwerke auf der grünen Wiese zu errichten, die die Wärme wegblasen. Insofern sehen wir auch unserer g-boxen als Flexibilitätsbaustein. In der aktuellen Märzausgabe von Energie & Management ist unser iKWK-Projekt mit g-box20 und erdgekoppelten Wärmepumpen als KWK-Projekt des Monats ausgezeichnet worden. In dem hier versorgten, denkmalgeschützten Gebäude wird das BHKW nur noch 2.000 Volllaststunden erreichen.

Welche konkreten Effekte hat der Einsatz der g-box auf die Wirtschaftlichkeit Ihrer Projekte?

Durch die (noch vorhandene) Förderkulisse des KWKG erreichen wir durchgängig sehr wirtschaftliche Wärmepreise gegenüber anderen Technologien im Bestand aber auch im Neubau bzw. energetischen Sanierungen. Hier stehen wir ja im Wettbewerb mit anderen erneuerbaren Systemen wie Wärmepumpen und Holzpelletskesseln. Insbesondere im Strombereich erzielen wir in Abhängigkeit der Eigenversorgungsquote sehr günstige Strompreise gegenüber dem Marktniveau gerade auch in Kombination mit PV-Anlagen. Letztere auf dem Dach und eine g-box im Keller ergänzen sich ideal im Sinne einer Symbiose über die Jahreszeiten hinweg.

Welche Erwartungen haben Sie an einen Technologiepartner in einem dynamischen Marktumfeld – und inwiefern erfüllt 2G Energy diese Erwartungen?

Die Entscheidung von 2G, auch die (Groß)Wärmepumpen-Technologie ins Portfolio aufzunehmen, war sehr wichtig und zukunftsorientiert. Wir brauchen das unbedingt für unsere Strategie zur Transformation unseres Energiesystems auf dem Weg zur Klimaneutralität und haben uns grünes Licht im Gesellschafterkreis für iKWK-Systeme in unserer Vielzahl von Anlagen gerade in großen Versorgungsobjekten und -quartieren auch unterhalb der Ausschreibungsschwelle kleiner 500 kW gemäß KWKG geholt. Natürlich spielen hier zukünftig grüne Gase einschließlich Wasserstoff eine wichtige Rolle, die 2G ja anlagentechnisch bereits im Angebot hat.

Spielt H₂-Readiness eine entscheidende Rolle bei Ihren Investitionsentscheidungen?

H2-Readiness müssen wir strategisch generell nicht nur mitdenken, sondern konkret auch einplanen. Readiness ist eigentlich zu wenig. Wir brauchen den Wasserstoff dann auch tatsächlich. Das kann von wenigen Ausnahmen abgesehen nur netzgebunden funktionieren, so dass wir ein anderes Mindset zum bestehenden Erdgasnetz brauchen, das, statt abgewickelt zu werden erhalten und auf H2-Transport umgebaut werden muss, so wie es Beschlusslage der europäischen Union ist für einen zugehörigen Zertifikatehandel ist.

Wenn Sie einen Wunsch für die Energiewende in Deutschland frei hätten – welcher wäre das?

Ich wünsche mir, dass die Politik schnellstmöglich und eindeutig die Rahmenbedingungen für den richtigen Weg zur Transformation des Energiesystems hin zur Klimaneutralität schafft, damit endlich Planungs- und Investitionssicherheit für die Unternehmen entsteht. Dieser richtige Weg ist nach meiner Überzeugung so festzulegen, dass wir dauerhaft auch Moleküle brauchen und insofern gleichbedeutend mit dem Abschied von einer utopischen „All-Electric-World“. Solange dann nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen beim KWKG angefangen über das jetzt kommende GMG bis hin zu europäischen Regelungen, etwa zum Thema „Kundenanlage“, nicht geschaffen sind, können wir unternehmerische Entscheidungen für das Gelingen der Energiewende vor dem Hintergrund der Risikosphäre unseren Gesellschaftern gegenüber kaum verantwortungsvoll treffen.

WEITERE INFORMATIONEN

Der 2G Newsflash

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Pressespiegel

Lesen Sie hier, was die Presse über 2G Energy und die effiziente Wärme- und Stromerzeugung berichtet.